Missverstandene Trauer – und der achtsame Weg in die Freiheit

Der Flughafenexpress Bus bringt mich gerade vom Bahnhof “Madrid Atocha Cercanias”, zu meinem Flieger, der mich dann schnurstracks nach Oslo fliegen wird.

Ich sitze direkt hinter dem Fahrer und ich spüre eine Traurigkeit in mir, die nichts mit meinem Abschied von Madrid zu tun hat oder den letzten 7 Wochen auf dem Camino in Richtung Santiago, auf dem ich mich allerdings in ca. 10 Tagen wiederfinden werde. Nein es ist eine Traurigkeit, die einfach da sein will und der ich den Raum geben will, damit ich den Selbigen betreten kann. Ich weiß, aus welcher Region sie kommt. Sie kommt aus dem Herzen, dem Teil, der einfach weiß, wie das, was wir Menschen als Leben bezeichnen in Wahrheit zum großen Teil eine Lüge ist. So, die genannte Trauer liegt in der Erkenntnis dessen und nicht dessen, dass die Menschheit in seiner kollektiven Masse unbewusst und sich total Ihren Gedanken im Einzelnen aber auch als Kollektiv hingibt, denn es lebt sich darin ja so schön bequem.

“Und trotzdem, und so ist es eben auch, handelt jeder Mensch so bewusst, wie er oder sie in einem bestimmten Augenblick kann… und das IST OKAY. Jeder Moment hat dabei eine Chance wieder und wieder Gewahrsein in das zu bringen, was geschieht aber auch in das, was jeder Einzelne tut.”

Was meine ich damit?

Nun, das große Bild gestaltet sich so, dass wenn man sich das Leben auf der Erde ansieht, insbesondere das der Menschen, mit seinen Einflüssen auf die eigene aber auch planetarische (die Erde) Entwicklung, dass das Chaos, was jeder Einzelne in seinem Kopf erlebt, sich ganz klar hier auf der Erde manifestiert und so natürlich auch chaotisch aussehen lässt. Das zu sehen und dabei zu erkennen, dass wir uns von dem, was wir in Wahrheit sind, entfernt haben und einen Kampf, anstatt ein Leben zu führen, ist, was diese Traurigkeit in mir entfachte.

Es ist auch überhaupt nicht schlimm, denn das, was ich wahrnehme, sozusagen als Snapshot meines Gewahrseins zu dem, was ist, hat bereits seine Existenzberechtigung und es ist am Ende auch nur eine Momentaufnahme menschlichen Bewusstseins, ohne dieses bewerten zu müssen. Mal davon abgesehen wäre meine Bewertung an dieser Stelle ja auch nichts weiter, als noch ein weiterer Gedanke. Und vielleicht hat sich beim Schreiben dieses Textes, ein Gedanke mit eingeschlichen, nur das er den Weg in den Text nicht geschafft hat. In anderen Worten, nur weil eine Bewertung oder ein Urteil meinen Mund nicht verlässt, heißt das nicht, dass meine Gedanken nicht den Versuch unternommen hätten, entsprechende Aufmerksamkeit zu erhalten… Hahahaha. Zum Schlapplachen, wenn Du mich fragst.

Meine Traurigkeit, die natürlich nicht mir gehört, sondern ich nur erlebe, ist am Ende auch das Geben des Raumes für diese Erkenntnis, die nicht meinem Kopf entsprungen ist, sondern ich körperlich wahrnehmen kann.

Es ist das Loslassen eines Bildes, dass ich vom Leben hatte. Genau, das ist der Punkt. Jetzt kommt es durch zu mir, während ich diese Zeilen schreiben. Und das Loslassen meiner, ich will mal sagen »Geschichte des Lebens«, ist das, was weh tut, denn ich hatte an sie geglaubt und sie war mein. Jetzt lasse ich sie los und entlasse damit selbst auch Teile, also Bestandteile meiner Identifikation mit mir selbst aber sicherlich auch vielen anderen Menschen aber möglicherweise auch Dingen. Es ist Trennungsschmerz, dem ich den Raum gebe.

Ja klar, scheiße, ja. Man kann sich auch von Ideen, Geschichten, Gartenzwergen, Partnern, einer Wohnung aber auch Teilen seiner durch die Eigenmachung oder Identifizierung mit Gedanken entstandenen Identitäten trennen. Okay, die Gartenzwerge könnte ich nicht wegschicken denn das würde ich nicht übers Herz bringen aber der Rest kann getrost auf den Müllberg geworfen werden, wenn es seinen Ursprung als Gedanke gefunden hatte. Das mag sich ja jetzt etwas krass anhören aber auch nur dann, wenn ich davon überzeugt bin, dass das, was ich zu glauben habe habe, meiner Geschichte einen Wert oder sogar höheren Wert gibt. Warum sollte ich es gehen lassen, wenn es mir und meinem möglicherweise exorbitanten Status als »Amore del Mundo« gut tut. Ich zehre doch davon, als Liebhaber der Welt wahrgenommen zu werden, denn die Frauen liegen mir immer zu den Füßen.

“Wo sollte ich meine Liebe und Anerkennung denn herbekommen, wenn ich diesen Teil in mir entsorgen würde und wahrhaftig auf das schaue, was ich bin? Gruselig oder doch eher der Weg in die Freiheit?”

Wie wäre es, wenn ich nicht mehr von der Liebe die ich erhalten kann, abhängig bin, sondern von der Liebe, die ich bin? Wobei ich von der Liebe, die ich bin, nicht abhängig bin, sondern ich derselbigen den Raum gebe und in den ich mich selbst hineinbegebe. In anderen Worten, ich verbinde mich mit dem, was ich durch die Erschaffung des Raumes kreiert habe. Liebe.

Ich sitze also in meinem Bus zum Flughafen, höre das Radio spielen, die Fahrgäste an Ihren Smartphones, den Busfahrer mit seinen Händen am Lenkrad und ich voller Trauer in diesem Moment auf meinem Weg zu Achtsamkeit und Freiheit und dabei ist alles perfekt. 🙂

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ich bin Weltenbumler, digitaler Nomade, Lifehacker, Buchautor und Künstler. Ich arbeite von unterwegs und dazu brauche ich nichts weiter als eine gute Internetverbindung, mein Macbook Air, Smartphone, meinen Rucksack, Boots und ne ganze menge Spaß.

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