Warum hast Du Angst perfekt unperfekt zu reisen

…Ich muss rennen, denn mein Flieger geht in 2 Stunden. Schnell noch die Zähne geputzt, geduscht, Sachen an, Rucksack über die Schulter geschmissen und los geht es zur S-Bahn.

Meine Güte, was habe ich mich auf diese Reise gefreut. Alleine, für ca. 6 Wochen, zu Fuß unterwegs durch den Norden Spaniens auf dem Weg nach Santiago de Compostela. Aber erst muss ich mich nach Paris, Frankreich aufmachen, denn dort wartete mein TGV, der mich nach Bayonne bringen würde. Eine Unterkunft hatte ich in Bayonne nicht gebucht aber ich war zuversichtlich, dass ich schon etwas finden würde.

Erst am nächsten Morgen sollte es zu meinem Startpunkt in St. Jean Pied de Port weitergehen, wo ich wiederum nicht wusste, ob ich von dort aus gleich die 26 Kilometer über die Pyrenäen nach Roncescalles, auf der spanischen Seite auf mich nehme würde.

Schon ­die ersten beiden Etappen meiner Reise hatten also Lücken aufzuweisen. Aber waren das wirklich Reiseplanungs-Lücken oder einfach nur ­gewollte Zuständen?

„Warum haben Menschen so eine große Angst vor der perfekten unperfekten individuellen Reise?

Ganz klar, weil Sie Angst haben!

1. Da ist zum einen der Punkt der Bequemlichkeit. Ja, seine Bequemlichkeit zu verlieren ist nicht nur unbequem, sondern macht vielen Menschen auch Angst. Wahrscheinlich auch Angst diese zu sehr zu vermissen und nicht zu wissen was zu tun, wenn das Leben außerhalb Ihres Wohnzimmer tatsächlich weitergeht.

Die Fernbedienung ist so ein Beqemlichkeits-Werkzeug / Symbol und Menschen würden nicht einmal aufstehen und den Sender wechseln, wenn Sie die ­Remote nicht finden können oder in greifbarer Nähe hätten. Krass ist das meine lieben Freunde, Leser und Leserinnen.

Den Angstschweiß auf der Stirn zu sehen, wenn Menschen anfangen unglaubliche Illusionen in die Zukunft zu projizieren.

Ich schweife etwas ab aber es zeigt eigentlich nur auf, dass Angst ja nicht bei der Reise oder Reisevorbereitung anfängt, sondern ja bereits tiefer Bestandteil eines Lebens ist, wenn man es gewähren lässt.

2. Da ist die Angst vor dem Unkontrollierbaren und besser ausgedrückt den Dingen, die nicht wirklich in der Kontrolle des Einzelnen liegen. Fragen und illusionäre Feststellungen bringen diese Angst erst so richtig ins Rollen und Projizieren Dinge in die nicht existierende Zukunft und die die Gegenwart dann zum eigenen Löwenkäfig werden lässt.

A) Falls das Wetter schlecht wird, was soll ich dann nur anziehen?
B) Falls mir das Zimmer oder das Hotel dann nicht gefällt ist die Reise im Arsch.
C) Ich werde nie ruhig schlafen können, wenn ich nicht weiß ob ich ein zweites Kissen erhalten.
D) Ich weiß doch gar nicht, ob es mir dort gefallen wird.

Diese Fragen und Aussagen rühren natürlich aus der Angst des „Unbekannten“ aber auch der Angst „Kontrolle zu verlieren“ und bringt Unsicherheit. Was aber wichtig ist zu bemerken, diese Unsicherheit existiert ja nur im Kopf eines jeden, denn weder Du noch Ich können wir in die Zukunft schauen. Nur das was gegenwärtig wir tun wird auch als Resultat erscheinen.

Und hier kommt mein alles entschiedener Punkt.

Verliere doch einfach mal die Kontrolle und lasse den Druck, dem man sich selber auferlegt, wie ­ein Hauch von Sand vom Arm ­streichen.

weitergehtsmin Peru Karneval

Beim Karneval in Peru. Photo by Sven Kaven

3. Und da ist natürlich noch die Angst vor Verbrechen / Gewalt und Unfällen. Und ja, diese Dinge gibt es. Die Frage, die man sich als Reisender allerdings stellen sollte, ist; „Warum ist mir bisher eigentlich noch nichts passiert?“ Damit meine ich nicht nur auf Reisen, sondern das gesamte Leben.

Klar, mir wurde auch schon mal ein Schlafsack geklaut, als ich in Peru rumgereist bin. Der Grund dafür war, dass ich unaufmerksam war. Heißt also ganz klar für mich aufmerksamer zu sein aber halt nicht ängstlich.

Es wäre wirklich schade, wenn man diese Form der Reise einfach aus der Angst heraus nie antritt.

Schaut einfach in die Gesichter von Menschen, die die Welt bereisen und von wo immer aus auch arbeiten. Diese Gesichter leuchten, sie strahlen regelrecht und alle haben eine Geschichte zu erzählen. Ach was sage ich denn da, Tausende von Geschichten habe sie zu erzählen.

Eine Lebensart (Danke Alireza Zokaifar), die einlädt Reichtum, Liebe, Freundschaft aber auch Trauer und Misserfolge auf so intensive Art zu (er)leben ist in sich selber schon eine großartige Reise.

Also packt Euren Rucksack und macht Euch auf die Reise. Ortsunabhängig zu arbeiten ist kein Rätsel mit 7 Siegeln, und ­verdient auch von Dir entdeckt zu werden. Jede Reise macht Dich erfahrener und man merkt sehr schnell, wie sich der Blickwinkel zum Thema Angst auf Reisen und vielen anderen Themen weitet.

Gute Reise!

Falls Du den ersten Teil zum Thema Angst und Reisen verpasst haben sollen, so kannst Du diesen hier nachlesen.

Um Fan meiner Facebookseite “mynomade” zu werden folge einfach diesem Link.

Und um zu erfahren was ich so machen, klicke bite hier.

Wow, dieser Artikel hat 386 Views. Bitte teile ihn wenn er Dir gefällt :-)

Hey, Sven hier...

ich bin Weltenbumler, digitaler Nomade, Lifehacker, Buchautor und Künstler. Ich arbeite von unterwegs und dazu brauche ich nichts weiter als eine gute Internetverbindung, mein Macbook Air, Smartphone, meinen Rucksack, Boots und ne ganze menge Spaß.

1 Kommentar. Ich freue mich sehr wenn Du deine Gedanken mit mir teilst...

Write a Reply or Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.