Was mir das Reisen zu Fuß stetig vor Augen hält?

Es sind nicht die schmerzenden Füße, die ich nach 27 oder 30 Kilometern manchmal habe. Auch sind es nicht die Blasen, die ich mir ab und an laufe.

Was ist es dann?

Nun ja, vor Augen halte ich mir im wahrsten Sinn des Wortes NICHTS, weil sonst könnte ich ja nicht sehen. Stattdessen gibt mir das Reisen zu Fuß alles, was sich Mann oder Frau nur wünschen könnte.

Ich schreibe heute darüber, um ganz einfach mal zu zeigen, mit welch einfachen Mitteln jeder Mensch einen erfüllten Tag, Woche, Monat, Jahr oder auch Jahrzehnte haben könnte.

Ich tue es genauso, denn ich liebe das Gefühl, ausgefüllt zu sein. Nicht alles richtig zu machen gehört dabei dazu und selbst dann, stelle ich durch meine Lebensart sicher, dass ich es so richtig falsch mache. 😉

Selbst wenn es mal total schief gelaufen ist, so tat ich es doch in diesem Moment so gut, wie ich es konnte.

Worum geht es?

Es geht darum, dass mich das Reisen zu Fuß auf den Zehenspitzen hält und mein Risiko mit wunderbaren Momenten belohnt.

Belohnen tu ich mich dabei aber selber, denn der Initiator bin ja ich und nicht irgendeine andere Form.

Zu Fuß unterwegs zu sein heißt auch, mit dem Boden verhaftet- und manchmal sogar regelrecht verschmolzen zu sein. Also eine Verbindung, die mich selbst im Fluss hält, so wie Wasser manchmal die Erdkruste in Form von Strömen, Bächen, Seen oder sogar Ozean zerteilt.

Zu Fuß zu reisen, heißt ja auch auf moderne Transportmittel zuverzichten. Hier findet eine regelrechte Abnabelung von künstlicher Velocity statt und eine äußere wie auch innere Entschleunigung findet in mir statt.

Entschleunigung ist das NORMALE!

Herrlich, diese »Langsamkeit« in jeder Zelle des Körpers zu spüren. Jedes Molekül, so finde ich, schreit regelrecht nach natürlicher Geschwindigkeit, um endlich wieder in Resonanz mit dem Körper und seiner Umgebung zu gelangen.

Bewegen wir uns entgegen unseres »natürlichen Seins«, so frage ich mich oft?

Meine Antwort dazu lautet; JA.

Hier existiert meiner Meinung nach eine artifizielle Form der Existenz, welche so nicht für »ein Leben«, wie uns gedacht sein kann.

Reisen zu Fuß heißt auch im Moment sein und atmen.

Ich rede hier absichtlich nicht von Deinem Leben, sondern von Leben, als Form, denn das ist ja, was jeder von uns in Wahrheit ist. Leben!

Ich möchte Dir mal an zwei einfachen Beispielen beschreiben, wie ich diese Verschiebungen zwischen dem was viele Menschen tun und dem was ich als Normal bezeichnen würde, sehe.

1. Ich bemerke eine massive Verschiebung am meisten, wenn ich mich nach einigen Wochen zu Fuß, zum Beispiel auf den Rückweg nach Deutschland mache. Der Sprung ins Taxi, Bus oder Bahn, um zum Flughafen zu kommen, ist für mich jedesmal das vorläufige Ende meiner Entschleunigung und das Abheben des Flugzeuges signalisiert, dass der Wahnsinn losgeht.

»Wahnsinn« ist in diesem Zusammenhang aber nicht als eine kollektive Unbewusstheit zu bewerten, sondern eher als mein emotionales Empfinden zu dem, was ich im außen wahrnehme.

Stelle Dir einfach mal vor, Du verbringst 2 Wochen lang in Stille oder in Dunkelheit. Was meinst Du, wird passieren, wenn Du auf einmal wieder das Licht erblickst oder den Klang Deiner eigenen Stimme erneut wahrnimmst?

Genau, es ist nicht nur aufregend, sondern aufrüttelnd oder vielleicht macht es dir sogar beim ersten Mal angst oder Du fängst an laut zu lachen, oder zu weinen.

Alles ist möglich und in genau diesem Moment ist das Empfinden des Normalen (Lachen, Weinen, überrascht sein) auf einmal nicht mehr so ganz normal.

Ich möchte Dir ein weiteres Beispiel geben.

2. Heute Morgen saß ich beim Frühstück in Villafranca, in Spanien und nach knapp 7 Kilometer walking, gönnte ich mir ein kräftiges Frühstück. Das Ganze passierte ca. 9:15 Uhr.

Frühstücken kann man am besten in spanischen Bars, die man überall auf dem Weg finden kann. Einen Nachteil haben diese Bars allerdings und das ist, dass in mindestens einer Ecke ein lautstarkes Beschallungs-Instrumment, mit Namen Television sein unwesen treibt.

Ausgehungert, durchgefroren und mit 10 Euro in der Tasche bestellte ich mir 2 Spiegeleier mit Salat und Pommes dazu. Ja, ja, ja, ich weiß, ein Hamma Frühstück aber ich spüre auch, wie nach ca. 4 Wochen auf dem Weg, jede Form von Nahrung noch vor dem Mageneingang verbrannt wird.

Ich nehme ab und esse trotz alle dem wie ein besengter jeden Tag zwei große Menüs.

Okay, aber das ist nicht wirklich mein Punkt hier.

Mir geht es um die Beschallungs- und Laufende-Bilder-Maschiene in der Ecke der Bar.

Wenn ich also, und da befinde, ich mich halt gerade, auch mit schnellen News, Bildern und in überaus abstrakten und leichtverdaulichen zu 100% negativen Nachrichten beschallen lasse, dann spüre ich eine wahrnehmbare Verschiebung von Geschwindigkeit.

Da ist zum einen mein Körper, der sich in Stille und im Moment befindet und da ist das Frühstück, welches mit Genuss (Bewusstheit) zu sich genommen werden möchte.

Beide befinden sich irgendwie in Asynchronisation und dabei entsteht Folgendes.

Der Körper, wie auch ich befinden sich im Moment. Das News-Programm des Fernsehers jedoch versucht, mich aus meiner Normalität herauszubringen. Normalität ist hierbei meine interne Geschwindigkeit aber auch das Außen, also die Menschen die mich umgeben oder auch Geräusche, wie zum Beispiel das Öffnen und Schließen der Kneipentür (naja, klingt eher, wie ein zuschmettern).

Geschwindigkeit bewusst im Moment erleben

Die Velocity (GESCHWINDIGKEIT) der Präsentation der News in Style, Fassion aber auch Wort erscheinen völlig Alien zu dem, wo ich mich gerade befinde. Nämlich im Moment oder wenn Du so willst in der momentan existierenden Gegenwart.

Meinem Moment. Selbst diese ist beendet in dem Moment, wo ich den Satz beendet habe.

Ich weiß es klingt etwas schräg und doch ist es genau das, was TV versucht zu unterbrechen. Kann es aber nicht, wenn ich unterwegs bin und in meine ureigene Geschwindigkeit komme.

Was will ich damit sagen?

Der TV in der Ecke der Bar erscheint wie ein Alien Artefakt, welches sich außerhalb meiner bewussten Wahrnehmung bewegt.

Warum bewusst?

Weil ich mit meiner eigenen Geschwindigkeit oder, wenn Du so willst, Entschleunigung am besten fahre und das nach eigener Straßenwerkersregel.

Ich erlebe also meine eigene Geschwindigkeit viel bewusster, als das was im TV abgeht. Was im TV gezeigt wird, kann ich bewusst wahrnehmen, hat aber mit meinem Moment wenig zu tun, außer ich lasse es Teil dieses Momentes werden.

Und klar würdest Du jetzt sagen; Hey Sven, wenn Du den TV mitbekommen hast und die asynchrone Geschwindigkeit des Programmes zu Deiner Existenz wahrgenommen hast, dann ist es doch Bestandteil Deines Momentes.

Ja klar und das ist auch kein Problem.

Was für mich sozusagen wichtig ist, ist wahrzunehmen, was meine eigene Geschwindigkeit momentan ist und das lässt sich so wunderbar mit einem Medium, welches völlig unverbunden mit mir vor sich hinbrüllt, feststellen.

Reisen zu Fuß hält mich also nicht nur auf den Zehenspitzen, sondern es hält mich vor allem bei mir.

Da wo unbewusster Konsum stattfindet, selbst wenn es der Konsum von Media ist, wird es immer Schmerz und Reaktion geben.

Das ist genau das, was WeWalkNow erkannt hat. Sei dein eigener Kreator, dein eigener Fan oder auch dein eigener Motor für das, was Du mit Leben anfangen willst.

Sven Kaven

Wow, dieser Artikel hat 2035 Views. Bitte teile ihn wenn er Dir gefällt :-)

Hey, Sven hier...

ich bin Weltenbumler, digitaler Nomade, Lifehacker, Buchautor und Künstler. Ich arbeite von unterwegs und dazu brauche ich nichts weiter als eine gute Internetverbindung, mein Macbook Air, Smartphone, meinen Rucksack, Boots und ne ganze menge Spaß.

1 Kommentar. Ich freue mich sehr wenn Du deine Gedanken mit mir teilst...

Write a Reply or Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


  1. Frank Antworten

    Hallo Sven,
    Mit deinem Artikel sprichst du mir aus der Seele.
    Ich empfinde es ganz genau wie Du und ichemische stelle immer wieder fest, das die Menschen, die es versuchen fast immer angesteckt werden.
    Herzlichen Gruß
    Frank