Wie Du die Angst auf Reisen zu Deinem Freund machen kannst

… Ohh Mann, jetzt bin ich schon geschlagene 6,5 Stunden zu Fuß unterwegs, habe ca. 26 Kilometer in den Beinen und noch immer konnte ich keine Unterkunft finden. Ich laufe entlang der Hauptverkehrsstraße in Richtung Gibraltar aber weit und breit gibt es keine offenen Hotels oder Herbergen. Ein komisches Gefühl fängt an sich in meiner Magengegend breitzumachen und ich merke langsam, wie ich doch etwas unruhig werde.

Ich schaue auf die Uhr und wieder in Richtung Sonnenstand und weiß genau, dass mir maximal noch 90 Minuten bis zum Einbruch der Dunkelheit bleiben.

Ist es angst, die sich anfängt in mir breitzumachen oder was ist es? Wie gehe ich mit der Situation um, ohne jetzt in Panik zu verfallen. Okay, ich habe meine Kreditkarte an mir und auch etwas Bargeld, doch das hilft mir momentan sehr wenig, denn Taxi oder Bus ist eigentlich keine wirkliche Option und … naja, eine Unterkunft ist auch nicht auffindbar.

Angst vor dem Reisen oder den Dingen, die unverhofft passieren könnten, betrifft sehr viele Menschen und hindert sie, den Schritt in das Abenteuer zu wagen.

Dabei ist es so einfach. Mache die Angst auf Reisen zu Deinem Freund und nimm sie mit offen Armen auf. Gehe durch sie durch und komme gestärkt heraus.

Sven Kaven entlang des Camino

Auf dem Weg ohne Unterkunft. Photo by Sven Kaven

Aber wie?

Für mich ist diese Reise wieder mal ein Abenteuer und alleine zu reisen hat seine so sagenhaften Vorteile. Wenn man allerdings alleine reist, so steckt man auch mal alleine, wenn auch nicht ständig, in schwierigen Situationen.

Keine Unterkunft zu finden, war schon etwas beunruhigend, zumal ich nicht einmal einen Schlafsack mit hatte, der mir im Notfall hätte helfen können. Darüber hinaus hatte ich auch keine Antwort von meinem ­airbnb Gastgeber erhalten und somit gab es eigentlich nur viele Fragezeichen.

Okay, was ich in Situationen wie diesen allerdings dann tue, ist Folgendes;

1. Ich stelle mir die Frage; „Was ist das schlimmste Szenario, ­dass ich mir hier vorstellen kann?“ Nun, meine Antwort dazu war ziemlich klar und die hieß; „Irgendwo in einem Hauseingang Unterschlupf finden und bis zum nächsten Morgen frierend auf den Sonnenaufgang warten. Wenn möglich sogar etwas schlafen. “

2. Als Nächstes stelle ich mir die Frage; ­„Welche Klamotten stehe mir zur Verfügung, um nicht die ganze Nacht zu frieren?“ Nun die Antwort dazu war ziemlich einfach. ALLES.

3. Und als Letztes taucht dann immer wieder dieselbe Frage auf; „Was sind deine Alternativen?“ Vor allem wen man zu Fuß unterwegs ist, stellt sich immer wieder dieselbe Alternative heraus.

Gehe weiter …! Einfach weitergehen und rechtzeitig die Taschenlampe rausholen, damit einem die entgegenkommenden Auto nicht über den Haufen fahren.

So wie ­Hape Kerkeling es in seinem Buch „Ich bin dann mal weg“ auch beschrieben hat, so kann ich bestätigen, dass die spanischen Autofahrer recht rücksichtslos unterwegs sind. Also galt auch für mich ganz klar, ran an den linken Fahrbahnrand, und wie wild mit der Taschenlampe fuchteln, damit die denken da kommt ein wilder auf sie zu gerannt. Mal schauen, wer Platz macht.

Und hier passiert dann etwas Erstaunliches. In dem Moment, wo man sich mit seiner Situation abgefunden hat, verstanden hat, dass es jetzt so ist, wie es ist, kommt man auch weiter.

Die Beine haben wieder Kraft, der Kopf ist wieder frei und die nächsten 8 Kilometer fühlen sich auch nicht mehr so an, als ob man Mount Everest besteigen müsste. Es startet alles im Kopf und eine positive im wahrsten Sinne des Wortes nach vorne gerichtete Entscheidung bringt das Feuer wieder zum Brennen und lässt das Eis der Angst schmelzen.

8,5 Stunden und 34 Kilometer waren es am Ende dieses Tages, eine Distanz, die ich in der Vergangenheit bereits zurückgelegt hatte, aber nicht unbedingt wiederholen wollte. Geist & Körper beisammenzuhalten, ist in solchen Momenten extrem wichtig, um nicht in dieses Hamsterrad von Angst und vorgeschobener Aussichtslosigkeit zu kommen. Viele dieser Gefühle sind Illusionen und können durch Innehalten und, so wie ich es hier beschrieben habe, überkommen werden.

Coasta del Sol am frühen MOrgen. Photo by Sven Kaven

 

Reisen ist einfach zu schön, um es vom Gefühl der Angst zerstört bekommen zu lassen.

Beim nächsten Mal widme ich mich wieder dem Thema Angst. Dann geht es allerdings darum, warum so viele Menschen Angst davor haben individuell zu reisen und somit eigentlich einen so wunderbaren Aspekt des wahrhaftigen und bewussten Reisens verpassen. Klar werde ich Lösungen anbieten, die Euch helfen werden die Angst zu neutralisieren.

Falls Du noch nicht Fan ­meiner Fanpage bist, kannst Du das direkt hier tun. Und um mehr darüber zu erfahren, ­was ich denn so ­machen folge einfach diesen Link.

Wow, dieser Artikel hat 328 Views. Bitte teile ihn wenn er Dir gefällt :-)

Hey, Sven hier...

ich bin Weltenbumler, digitaler Nomade, Lifehacker, Buchautor und Künstler. Ich arbeite von unterwegs und dazu brauche ich nichts weiter als eine gute Internetverbindung, mein Macbook Air, Smartphone, meinen Rucksack, Boots und ne ganze menge Spaß.

4 Kommentare. Ich freue mich sehr wenn Du deine Gedanken mit mir teilst...

Write a Reply or Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


  1. mynomade Antworten

    Hi Alireza, ja und manchmal kann es halt wirklich auch gefährlich werden. Gut das Ihr heile daraus seit.. 🙂

  2. Alireza Zokaifar Antworten

    Diese Nacht ist schon über 15 Jahre her. Damals fuhr ich mit meiner Freundin, mit dem Fahrrad von Berlin nach Wien. Über 1250 Kilometer haben wir am Ende der Reise hinter uns gelassen. 12 Tage waren wir unterwegs. Es muss der vierte Abend der Reise gewesen sein. Wir haben den Zeltplatz nicht erreicht, den wir uns auf der Karte ausgeguckt hatten. Wir waren vom Regen, vom heftigen Regen überrascht worden. Es wurde immer dunkler und dunkler. Wir, nein besser gesagt, alles, alles was wir hatten war nass geworden. Ich weiß nicht mehr, wie wir dieses Haus-Raum-Ähnliche Objekt auf unserem Weg entdeckt haben, worunter wir erstmal unterschlupf gesucht haben. Wir wollten uns orientieren, zu uns kommen, um zu entscheiden wie wir weiter machen. In der Dunkelheit konnten wir nicht erkennen, wo wir sind und was das für ein Raum ist, der eine Stahltür hatte, soweit ich mich zurück erinnern kann. Aber er bot uns einen überdachten Vorplatz, so dass wir uns entschieden hier zu übernachten. Zusammengekauert schliefen wir bis zum nächsten morgen auf die Steinplatten, dieses Vorraumes. Als wir am nächsten Morgen aufwachten, konnten wir auf die Stahltür das Zeichen für Strom & Gefahr erkennen. Darunter stand “Danger – Do not sleep here”.
    Wir haben es überlebt, glaube ich. Aber vielleicht laufe ich ja auch seit dem als Zombie durch die Welt und weiß es selber nicht 😉

    Liebe Grüße an Dich und frohes Laufen weiterhin Sven,
    Dein Freund Alireza

  3. mynomade